Kleiderordnung: Schwarz in schwarz am Bundesgericht

Foto: Aufrecht stehender Plastikbär in Anwaltsrobe

In München wurde kürzlich ein Prozess vertagt, weil ein beteiligter Rechtsanwalt im offenen Hemd erschienen war und sich weigerte, eine Krawatte zu tragen – wieder einmal, denn in Deutschland herrschen strenge Kleidervorschriften für Rechtsanwälte vor Gericht.

In der Schweiz ist mir lediglich eine entsprechende Regelung für das Bundesgericht bekannt – für Richter, Gerichtsschreiber und Rechtsanwälte (Art. 48 BGerR):

«Zu den öffentlichen Sitzungen des Gerichts erscheinen die Richter und Richterinnen, die Gerichtsschreiber und Gerichtsschreiberinnen sowie bei Verhandlungen die Parteivertreter und Parteivertreterinnen in schwarzer Kleidung.»

Markus Felber (.fel), Bundesgerichtskorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), schrieb kürzlich dazu in seinem Weblog:

«Logisch ist die am Bundesgericht geltende Krawatten-Ordnung nicht. Entweder ist die Krawatte ein Accessoire und darf daher in beliebiger Farbe leuchten. Oder aber, sie gehört zur Kleidung, und dann hat sie genau so schwarz wie diese zu sein. Daselbst aber versteht das Bundesgericht keinen Spass und schreckt selbst vor verdeckten Ermittlungen nicht zurück. Zumindest in der guten alten Zeit nicht, als ein Abteilungspräsident einmal während des Plädoyers den Weibel damit beauftragte einem hinter dem Anwalt sitzenden Journalisten einen handbeschriebenen Zettel zu überbringen. Darauf stand: ‹Ist der Anzug des Rechtsanwalts schwarz oder dunkelgrau?›. Der Anzug war tatsächlich dunkelgrau, wird kolportiert. Doch der Journalist habe dem Weibel den Zettel mit dem Vermerk ‹schwarz› zurückgegeben, um eine Unterbrechung der Verhandlung zu vermeiden.»

(Ein anderes Thema ist die Kleiderordnung, der sich Juristen häufig selbst unterwerfen.)

Bild: Flickr / Claire Murphy, «Lawyer bear!», CC BY-ND 2.0 (generisch)-Lizenz.

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