Copyfraud und andere Sünden im Urheberrecht

Rechtsanwalt Martin Steiger

5 Kommentare

  1. nggalai sagt:

    Hmm. Da war e-rara aber ungeschickt in der Verargumentierung. Etwas weniger dumm wäre der Ansatz gewesen, dass mit „die Dokumente“ die Reproduktionen gemeint seien, nicht deren Inhalt.

    So ein bisserl wie das Fotografieverbot in manchen Museen, um dann die eigenen Postkarten von Bildern alter Meister verkaufen zu können. Diese Postkarten dürfen auch nicht ohne weiteres kopiert werden.

    Wobei beide Fälle, e-rara und die Museums-Sache, die Frage aufbringt, in wiefern Derivate, die zum größten Teil auf dem Ursprungswerk fußen, schutzwürdig sind. Die vom Urheberrecht geforderte schöpferische Eigenleistung steht trotz großen Aufwands für den Reproduktions-Fotografen in keinem Verhältnis.

    1. @nggalai: Fleissarbeit allein begründet – im Gegensatz zum weit verbreiteten entsprechenden Irrtum – kein Urheberrecht.

  2. nggalai sagt:

    Eben. In Deutschland (von dort kenne ich die Museums-Sache) ist die Situation in sofern speziell, da Fotografen automatisch und immer als „Urheber“ gelten und die Werke automatisch, auch zwingend, urheberrechtlich geschützt sind. Egal, was und wie fotografiert wurde. Stichwort „Marions Kochbuch“.

    http://www.heise.de/ct/artikel.....91092.html

    Schöpfungshöhe ist hier wurst (haha). Zivilrechtlich relevant ist nur, dass der Kläger_in auch wirklich fotografiert hat.

    1. AndreasP sagt:

      Das stimmt nicht, für zweidimensionale Werke wird keine Schöpfungshöhe des Reproduktionsfotografen angenommen. In den USA nicht und in Deutschland nicht (in Großbritannien hingegen schon).

      1. nggalai sagt:

        Ich nehme an, Du beziehst Dich auf den Merian-Bibelfall? http://de.wikisource.org/wiki/.....produktion

        Dort ging es um die Reproduktion eines Fotonegativs; für diese Reproduktion hatten die Gerichte keine genügende »geistige Leistung« gesehen. Es wurden halt von Negativen Dia-Positive abgelichtet (könnte man heute »konvertieren« nennen), die Negative waren zuvor in einem Lizenzvertrag zur Verfügung gestellt worden.

        Die Gerichte sahen darunter eine »bloße Vervielfältigung« von Filmmaterial und keinen Verstoß des Lichtbildschutzes – wäre auch kontraproduktiv, so würde ein periodisches Umkopieren des früheren Originals reichen, einen Urheberschutz bis in alle Ewigkeiten zu halten. Oder, als Analogie zur Musikindustrie: Ewiges »Copyright«, weil das Label dieselben Digitalen Daten alle paar Jahrzehnte auf ein neues Backupmedium kopiert. Eine »Remastered«-Ausgabe jedoch steht unter frischem »Copyright« – wohl auch einer der Gründe, dass solche Dinger auch 30 Jahre nach Einführung der Compact-Disc überhaupt noch herausgegeben werden. 😉

        Sobald eine »Leistung« seitens des Original-Fotografen gegeben ist – und das ist bereits bei einer aufwendigen Ausleuchtung z.B. einer Skulptur sowie der tagelangen Aufbereitung des so erzeugten Bildes für besagte Postkarten gegeben – greift diese Einschätzung jedoch nicht. Der Bundesgerichtshof nannte das »Mindestmaß an persönlicher geistiger Leistung«. Industrie- und Museumsfotografen verbringen einen Großteil der Ausbildung damit, diese »geistige Leistung« überhaupt erst erbringen zu können. Explizit nicht gegeben ist das bei Reproduktionen von Reproduktionen, wie in diesem Fall gegeben.

        England ist allerdings tatsächlich noch strikter (hirnrissiger?) drauf, dort können u.U. schon »ähnliche« Abbildungen als Verstoß gegen das Urheberrecht gewertet werden. Siehe z.B. hier: http://www.techdirt.com/articl.....raph.shtml Bei diesem konkreten Fall weiß ich nicht, ob der Beklagte ihn weitergezogen hat oder nicht. Wäre sicher noch interessant.

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