WAP: Auferstehung dank kostenpflichtigen Gewinnspielen

Screenshot: Fernseh-Gewinnspiel anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft 2014 im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Wer erinnert sich noch das Wireless Application Protocol (WAP)?

Bei Gewinnspielen im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) wie in diesen Tagen anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft 2014 können Zuschauer über eine kostenpflichtige «Business»-Telefonnummer oder – wieder einmal – kostenlos via WAP teilnehmen …

Hintergrund ist die Lotterie-Gesetzgebung, denn diese verbietet Gewinnspiele, bei denen eine Teilnahme nur «nach Leistung eines Einsatzes» möglich ist (Art. 43 Ziff. 2 LV). Die Teilnahme mittels Handy oder Smartphone und via WAP stellt eine – wenn auch umstrittene – weitere Teilnahmemöglichkeit ohne Leistung eines Einsatzes vor.

Gleichzeitig ist WAP so obskur, dass die meisten Teilnehmer vermutlich dennoch die kostenpflichtige «Business»-Telefonnummer wählen werden und damit dem öffentlich-rechtlichen SRF die gewünschten zusätzlichen Einnahmen verschaffen.

Im Sommer 2012 befasste ich mich anlässlich der Fussball-Europameisterschaft in einem Artikel in der «Medienwoche» mit dem Überleben von WAP beim SRF.

Mein damaliges Fazit gilt auch heute noch:

«Das Schweizer Fernsehen erzielte nur mit der kostenpflichtigen Teilnahme an seinem UEFA Euro 2012-Gewinnspiel Einnahmen. Es ist deshalb nicht von der Hand zu weisen, dass ein Anreiz vorlag um mit dem überholten WAP als rechtlich notwendige und einzige kostenlose Teilnahmemöglichkeit die kostenpflichtige Teilnahme zu fördern. Aus Sicht des Bundesgerichts ist diese Vermutung aber in streng wörtlicher Auslegung der Lotteriegesetzgebung nicht relevant, sondern es zählt, ob die Gewinnaussichten bei einer kostenlosen Teilnahme für Durchschnittszuschauer erkennbar gleich sind.

Diese Erkennbarkeit war beim UEFA Euro 2012-Gewinnspiel des Schweizer Fernsehens fraglich. Auf die Teilnahmemöglichkeit via WAP wurde einerseits nur äusserst knapp durch Angabe der gekürzten WAP-Adresse ‹wap.euro2012.sf.tv› hingewiesen und es ist überhaupt unklar, wie viele Durchschnittszuschauer WAP angesichts des allgegenwärtigen WWW noch als aktive Teilnahmemöglichkeit wahrnahmen – sofern sie WAP denn überhaupt kannten. Ein Hinweis auf die Kostenlosigkeit dieser Teilnahmemöglichkeit andererseits fehlte. Aufgrund der bisherigen Rechtsprechung sollte das Schweizer Fernsehen deshalb die beiden Teilnahmemöglichkeiten in Zukunft gleichwertig darstellen und ausdrücklich auf die Kostenlosigkeit der Teilnahme via WAP hinweisen. Der WAP-Zugriff sollte ausserdem für alle WAP-kompatiblen Browser möglich sein – heute werden WAP-Zugriffe, die nicht erkennbar von einem Handy stammen, blockiert.

Im Übrigen wäre wünschenswert, dass das Schweizer Fernsehen als SRG-Unternehmen ohne Gewinnstreben und im Dienst der Allgemeinheit auf Gewinnspiele verzichten würde. Da das Schweizer Fernsehen zu einem solchen Verzicht anscheinend nicht bereit ist, sollte zumindest nicht mehr mittels ‹Waperlapapp› getrickst werden. Aufgrund der überwiegenden Gebührenfinanzierung müsste zumindest Transparenz hergestellt werden zu den Einnahmen aus Gewinnspielen dieser Art.»

Momentan ist die kostenlose WAP-Teilnahme unter http://wap.srf.ch/fussball/ möglich. Das SRF blockiert weiterhin alle Zugriffe, die nicht erkennbar von einem Handy oder Smartphone stammen (Screenshot).

Eine Teilnahme ist aber auch ohne Handy oder Smartphone möglich, indem man den so genannten «User Agent» temporär ändert, was in allen gängigen Browsern ohne weiteres möglich ist, teilweise mit Browser-Erweiterungen. Im Safari-Browser beispielsweise benötigt man dafür keine Erweiterung, sondern kann die Entwickler-Funktionen freischalten (Screenshot) und danach den «User Agent» komfortabel über das Menü anpassen (Screenshot 1, Screenshot 2). Dito im Chrome-Browser.

Bild: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).

19 comments

  1. Eine Frage stellt sich mir jedesmal, wenn ich im TV diese WAP-Url eingeblendet sehe: Wie wird garantiert, dass die WAP-Teilnehmer auch wirklich Chancen auf einen Gewinn haben? Ich werde das Gefühl nicht los, dass die WAP-Teilnahme eine Proforma-Variante darstellt, um den rechtlichen Ansprüchen gerecht zu werden… überprüfen, ob diese Teilnahmen dann in den grossen Topf aller Mitspielenden kommt, lässt sich das ja eh nicht…

  2. Es ist ja schön und gut all den Firmen zu trauen und zu hoffen, dass man auch auf diesem Weg gewinnen kann. Gibt es dafür nicht einen Notar?!

  3. Wir haben es doch langsam gründlich satt, dass auf so vielen Gebieten Gesetze dazu formuliert, gemacht und gedreht werden, um das Volk besser und gründlicher abzuzocken und zu berauben.

    Wir bezahlen an Billag hohe Gebüren für’s Fernsehen und sogar wer keinen Fernseher besitzt, soll so zur Kasse gebeten werden. Das ist genug! Entweder es wird wirklich jedem Dummie möglich gemacht, gratis an Votings, Gewinnspielen, etc. teilzunehmen, oder man hat es offensichtlich mit Betrügerbanden die dank staatlicher Unterstützung frei abkassieren können zu tun, was ein Hinweis darauf ist, dass Staaten die solche Gesetze erlassen und beibehalten, Schurkenstaaten sein müssen. Und wenn Schurkerei mindestens so kurze Beine wie Lügen hat, dann wird es wohl irgendwann mal zu einem ‹wie die Schlange auf dem Bauch kriechen und Staub fressen› kommen. Gerechtigkeit wohnt jedenfalls noch keine im Lande.

  4. Übrigens in der Einleitung auf dieser Seite hat sich ein Fehler eingeschlichen:

    Im zweiten Abschnitt heisst es im letzten Satz:

    Gleichzeitig ist WAP so obskur, dass die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer vermutlich dennoch die kostenpflichtige «Business»-Telefonnummer (* ) werden und damit dem öffentlich-rechtlichen SRF die gewünschten zusätzlichen Einnahmen verschaffen.

    * Es fehlt dort das Wort ‹wählen›.

  5. Guten Tag Herr Steiger

    Ich habe eine einfache Frage. Anbieter von Wettbewerben müssen zwingend eine Möglichkeit zur kostenlosen Teilnahme anbieten? Dafür gibt es ein Gesetz?

    Wollte nämlich gerade an einem Gewinnspiel teilnehmen und hatte keine kostenlose Teilnahmemöglichkeit.

    Danke für Ihre Rückmeldung.

    Freundliche Grüsse
    Ein Wettbewerbler

  6. Ich hab mir mal überlegt, ein kleines Skript zu schreiben was per EPG/Fernsehprogramm automatisch bestimmt, welche Sendung gerade läuft und dann per WAP am entsprechenden Gewinnspiel teilnimmt. Das wäre ja recht einfach realisierbar und wenn man nur einmal pro Gewinnspiel teilnimmt, verschafft man sich auch keinen unfairen Vorteil, das könnte ja jeder auch von Hand machen.
    Kennt jemand die Teilnahmebedingungen für die Gewinnspiele? Die sind irgendwie nirgends verlinkt und auf der SRF-Seite kann ich sie auch nicht finden. Ich würde es natürlich nur tun, wenn automatisierte Teilnahmen nicht ausgeschlossen sind…

  7. werden anrufe von handy oder festnetz , deren nummer nicht im telefonbuch zu finden sind, auch berücksichtigt? kann der name festgestell werden?

  8. Der Ringier Verlag zockt seine Leser auch schon seit Jahren mit solchen angeblichen «Gewinnspielen» ab. Ich wundere mich aber dann doch über einen wichtigen Punkt. Der wäre, dass selbst die WAP-Teilnahme auch nicht gratis ist. Man muss sich per WAP anmelden und bekommt dann eine Servicenummer genannt, die man von seinem Festnetz oder Natel anrufen soll, um dort den ebenfalls übermittelten, x-stelligen Code einzugeben. Allerdings ist diese Servicenummer nicht gratis. Der Anruf kostet zwar nur 8Rp/Minute, was aber immerhin eine Art Spieleinsatz ist und somit keine Gratis Teilnahme. Kann man dagegen vorgehen? Ebenso würde mich interessieren, wo die Gewinnreihenfolge ersichtlich wird. Denn theoretisch wäre es möglich, alle hohen Gewinne erst ganz am Ende der vorgegebenen Losverteilung zu platzieren. Dann würde überhaupt niemand diese Gewinne erhalten, insofern nicht alle Lose verkauft werden. Wovon man eigentlich immer ausgehen kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese intransparenz auch genauso ausgenutzt wird, was man schon an den publizierten Gewinnern und Gewinne erkennen kann. Dann noch etwas: Da diese Gewinnspeile vom Kanton bewilligt werden müssen, sollte es doch auch eine Aufsichtsstelle dazu geben, die Transparenz in diese Abzocksysteme bringen könnte. Gibt es so ein Institution die darüber Auskunft erteilt, oder stecken alle zusammen unter einem Hut beim abzocken der Bürger?

  9. Ringier bot bis Ende November WAP-Gratis-Spielteilnahmen an – mit chancengleicher Gewinnmglichkeit. Was auch stimmte, ich gewann auch einmal etwas auf diese Art.

    ABER: seit Neuestem gibt es diese Gratisteilnahmemöglichkeit nicht mehr, die neue «Gratisteilnahme» sieht jetzt so aus:

    Man muss eine angegebene URL eintippen und dort ein PDF-Formular aufrufen. Dieses muss dann ausgefüllt und unterschrieben per A-Post eingeschickt werden. Nebst dem grossen Aufwand, der natürlich nur als Abschreckung dient, gibt noch etwas anderes zu denken: Man darf nur 1 Formular per Couvert einsenden! Also reine Schikane, alles andere als gratis und ich glaube nicht, dass dies mit den hiesigen Gesetzen konform ist. Man will die Leute so einfach dazu bringen, via die überteuerten SMS-Services oder 0901er-Telefonnummern mitzumachen.

    Gar kein feiner Zug – vor allem, dass man nur 1 Formular per Couvert einsenden darf. Dabei sind ja immer mehrere Gewinnspiele gleichzeitig online oder in den Zeitungen abgedruckt.

    Ist das wirklich gesetzeskonform? Dankeschön!

  10. Eine andere Möglichkeit der Gratisteilnahme wird momentan von Blick angeboten. Man muss ein PDF ausdrucken und dann zwingend mit A-Post an die Blick-Zentrale schicken. Ich frage mich ob dies überhaupt zulässig ist, da die Teilnahme ja so auch mindestens 1.- kostet, da A-Post vorausgesetzt wird.
    Wie ist Ihre Einschätzung?

      1. Die Links der einzelnen Gewinnspiele oder Rätsel wechseln wöchentlich, aber generell mal diesen Link wählen:

        https://www.blick.ch/gewinnen/

        dann ein Gewinnspiel auswählen und anklicken…..

        Dann hat man die Wahl zwischen teuren SMS oder Anrufen (jeweils Fr. 1.50 oder gar Fr. 1.90) und der «Gratisteilnahme»…dafür ist immer eine URL gelistet, also Beispiel nenne ich mal diese hier für das tägliche Kreuzworträtsel:

        https://win.my797.ch/KREUZ

        Alles mit erheblichem Aufwand verbunden; mit Restriktionen (nur 1 Talon pro A-Post-Couvert!) usw.

        Also ‹Gratis› ist gewiss was anderes und es funktionierte ja vorher mit WAP tadellos.

        Auf Anfrage wurde bloss geschrieben, dass man sich «aus diversen Gründen für die Abschaffung von WAP entschieden hätte» – sinngemäss.

        Man kann nur hoffen, dass diese Art von Gewinnspielen nicht goutiert wird. Schlussendlich brauchen ja die Zeitungen Auflage – und diese Art von «Gratisteilnahmen» sind dem Zeitungsverkauf gewiss nicht förderlich.

        Es wird schlicht zu teuer – täglich eine Zeitung und eine oder zwei Wettbewerbsteilnahmen gehen ins Geld.

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