2 Kommentare

  1. Ich halte das Urteil der Zürcher Oberrichter für absurd. Denn nach Definition der Richter würde es auf Facebook und Twitter nur so von Personen der Zeitgeschichte wimmeln. Ob ein Tweet oder ein Facebook-Eintrag öffentlichkeitswirksam wird, hängt von den Medien ab. Tweets und Facebook-Einträge werden einer breiten Öffentlichkeit in der Regel erst nach Publikation in den klassischen Medien bekannt. In meinem Fall wurde monatelang auf allen Kanälen darüber berichtet und ich konnte diesem Treiben nur noch wehrlos zuschauen. Der Schweizer Rechtsstaat bietet nur unzureichend bis gar keinen Schutz gegen solche schwere Persönlichkeitsverletzungen. Ich spreche hier aus Erfahrung.

    Der im Urteil erwähnte «umfangreiche Artikel» war ein Interview im Tagesanzeiger. Nachdem ich über den Zeitraum von mehreren Monaten von den Medien in den Dreck gezogen wurde, erhielt ich dort erstmals unter fairen Bedingungen die Möglichkeit zur Sache Stellung zu nehmen. Wenn ein Shitstorm in den Medien tobt, hat man als Betroffener keine Möglichkeit mehr zu intervenieren und sollte sich auch nicht mehr in den Medien äussern. Erst, wenn sich der Shitstorm gelegt hat und bei den Medienleuten wieder Vernunft einkehrt, kann man es als Betroffener wagen wieder mit den Medien zu sprechen. Leider ist das, was mich angeht, bei vielen Medien bis heute nicht der Fall. Wenn die Richter neben dem Twitterkonto und dem Blog das Interview dazu verwenden, mich zur Person der Zeitgeschichte zu erklären, dann verwechseln sie Ursache und Wirkung.

    Wären meine Persönlichkeitsrechte nicht auf gravierende Art und Weise in Medien verletzt worden, hätte es wohl auch das Interview im Tagesanzeiger nicht gegeben. Aber das haben die Oberrichter wohl nicht verstanden.

    Übrigens, das Gericht hält in seinem Urteil fest, dass nicht jedes beliebige Amt seinen Inhaber zu einer absoluten Person der Zeitgeschichte macht. Kreisschulpfleger sind nach Ansicht der Richter keine absoluten Personen der Zeitgeschichte.

    Dass die NZZ-Journalistin geklagt hatte, erstaunte mich übrigens. Denn noch im Jahr 2013 anonymisierte die NZZ auf meine Anfrage hin, alle ihre Artikel. Insofern stellte sich vor Gericht auch die Frage nach einem Interessen der Beschwerdeführerinnen.

    Die Oberrichter haben mir mit dem Urteil eindeutig geschadet. Denn obwohl kein aktueller Anlass mehr dazu bestand, namentlich über mich zu berichten, brach die NZZ ihr Versprechen, welches sie mir 2 Jahre zuvor gegeben hatte und nannte mich wieder namentlich. Dies im Artikel über das Urteil, welches im Zusammenhang mit einem Gerichtsverfahren vom Mai 2014 steht.

    Die Ironie der Geschichte ist, dass die meisten Leute, welche mir auf der Stasse begegnen nicht wissen, wer ich bin. Sie kennen mich schlicht nicht.

  2. Noch eine Bemerkung, da ich ja jetzt vom Zürcher Obergericht zur Person der Zeitgeschichte erklärt wurde, müsste mein Twitterkonto eigentlich jetzt von Twitter verifiziert werden. Gemäss Twitter Helpcenter muss ich aber warten, bis Twitter die Ansicht der Richter teilt und mich kontaktiert.

    Hier der Link zum Twitter-Helpcenter
    https://support.twitter.com/ar.....n-accounts

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