7 Kommentare

  1. Die Urheberrechts-Revision versucht im besten Fall einiges von dem nachzuholen, was andernorts – nicht nur in den USA, sondern auch und vor allem auf dem europäischen Kontinent – seit vielen Jahren Standard – notabene: rechtsstaatlicher Standard – ist. Im Erfolgsfall würde die Schweiz ein wenig von ihrem Sonderweg abkehren, den sie in diesen Jahren gegangen ist – vermeintlich im Konsumenten-, tatsächlich im Interesse einer IT-/Provider-Branche, die darin einen „Standort-Vorteil“ sieht. Aber aufgepasst: Standort-Vorteile, die darauf beruhen, internationale Rechts-Standards zu unterlaufen, haben eine kurze Halbwertszeit; die Schwarzgeld-Finanzbranche weiss ein Lied davon zu singen. Eine Schwarzdaten-IT-Branche ist keine gute Standort-Idee. Von Zensur, das heisst: staatlicher Vorprüfung von Meinungen und Inhalten, durch das IGE steht nichts im Vorentwurf. Freilich, wer anderer Leute Rechte missachtet – zum Beispiel die von Musikern und Filmschaffenden, und keineswegs bloss amerikanischen – mag es als Zensur empfinden, wenn er daran gestört wird. Hier geht es nicht darum, den Rechtsstaat „auszuhebeln“, sondern ihm endlich wieder Geltung zu verschaffen.

    1. Vielen Dank für Ihre Ergänzung als weitere Perspektive!

    2. Damian Ehlers sagt:

      Herr Uhlig lebt in einer anderen Schweiz als ich. Wo ist denn diese Schwarzdaten-IT-Branche? Und nachträgliche Zensur ist auch Zensur. Wenn Rechte missachtet werden, kann geklagt werden, in der Schweiz und im Ausland. Löschen statt sperren funktioniert, aber nicht mit Methoden aus dem Wilden Westen. Wir können stolz sein auf die Menschenrechte und müssen sie gegen Hollywood verteidigen. Erst schiessen, dann fragen ist nicht unsere Kultur!

    3. Gesetze sind nicht immer richtig, auch wenn sie rechtsstaatlich zustande gekommen sind. Sie wissen auch, dass die bestehenden globalen Urheberrechtsgesetze hauptsächlich durch intensives Lobbying bzw. durch die Beeinflussung der gesetzgeberischen Prozesse und der Ausgestaltung von internationalen Abkommen zustande gekommen sind. Es sind in den bisherigen Urheberrechtsrevisionen hauptsächlich die Interessen der Unterhaltungs- und Medienkonzerne eingeflossen. Erst in jüngster Zeit machen sich auch andere Anspruchsgruppen bemerkbar und das ist auch richtig so. Gerade in der Schweiz ist es zum Glück so, dass die mächtigen Konzerne nicht einfach Gesetze machen können. Nur weil Ihnen bzw. Ihren Klienten dies in anderen Ländern gelungen ist, heisst das noch lange nicht, dass das gut ist. Das Argument also, dass andere Länder strenge Regimes kennen, ist kein gültiges Argument um die Richtigkeit dieser Regimes zu begründen.

      Auch Ihre Behauptung, dass es darum ginge dem Rechtsstaat wieder Geltung zu verschaffen hat keinerlei Fundament. Wie wollen ja hoffentlich nicht ernsthaft behaupten, in der Schweiz funktioniere der Rechtsstaat nicht mehr? Sie können in der Schweiz jede urheberrechtliche Rechtsverletzung verfolgen und dass wissen sie ganz genau. Darum gibt es hierzulande auch kein einziges Beispiel von einem rechtswidrigen Angebot im Bezug auf das Urheberrecht. Weiterhin ist es so, dass ihre Kunden es ja geschafft haben, ihre Urheberrechtlichen Vorstellungen weltweit umzusetzen. Da müssen sie uns doch nicht weiss machen wollen, dass illegale Angebote nicht verfolgt werden können. Klar, ist das aufwendig, aber bitte schön, dass ist es für andere Branchen auch.

  2. Ist das nicht ein Sturm im Wasserglas? Wenn ich eine CD oder ein Video besitzen/speichern will, dann bezahle ich dafür, wenn es mir etwas wert ist.
    Unser Schweizer Urheber sind durch die hiesigen Institutionen (SUISA etc.) hinreichend geschützt. Dass amerikanische Künstler-Interessen von den USA wahrgenommen werden, lässt sich mit lamentieren nicht ändern. Am Schluss entscheidet wie immer der Konsument und dieser kauft halt zu einem massgebenden Teil noch immer amerikanische Musik und Filme.

  3. Tobias Ryser sagt:

    Wenn diese Urheberrechtsrevision unter dem Druck der amerikanischen Unterhaltungsindustrie wirklich kommt, werden ich und die Piratenpartei, sowie alle Gruppen in der Schweiz, die an freier Meinungsäusserung interessiert sind auf die Strasse gehen.

    Was man mit Netzsperren und Abmahnungen bewirkt ist die Leute ins Darknet zu treiben, wo sie niemand mehr überwachen kann. Auch die „Three-Strike“ Rule, die der Bundesrat vorschlägt wird dazu führen, unbescholtene Bürger zu kriminalisieren, einfach weil sie die falsche Datei kopiert haben. Kopieren ist kein Raub, da das Original immer noch zur Verfügung steht und verkauft werden kann. Was schon einmal produziert oder porgrammiert wurde, sollte nicht noch einmal aufwenig produziert oder cordiert werden. Dies ist eine schlechte Antwort auf die Digitalisierung und die kommende Industrierevolution 4.0.

  4. M. Steiner sagt:

    Den Nachtrag/Edit am Ende finde ich super, auch wenn ich überhaupt nicht Uhligs Meinung bin(schon nur wegen all der Horrorstories die man aus Deutschland hört). Anyway respekt Mr. Steiger für dieses Update am Ende.

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