Wikipedia-Abmahnungen für Panoramabild ohne Urheberrechtsschutz

Rechtsanwalt Martin Steiger

21 Kommentare

  1. Boris Lewandowski sagt:

    Danke für den sehr interesanten Artikel.

  2. Tom sagt:

    Die Frage ist aber auch, warum die Bilder nicht aus Wikipedia entfernt werden, wenn doch offensichtlich ist, dass sie dort nur zum Zweck späterer Abmahnungen eingestellt wurden.

    1. @Tom:

      Das ist eine, ähmmm, Besonderheit der deutschsprachigen Wikipedia, siehe dazu auch https://de.wikipedia.org/wiki/.....n#Ergebnis.

      1. Marcus Cyron sagt:

        Herr Steiger, das stimmt so doch gar nicht. Sie sollten das besser wissen. Ja, die deutschsprachige Community hat sich entschieden, wie sie es verlinkt haben. Doch selbst wenn sie sich anders entschieden hätte, wären die Bilder immer noch auf Wikimedia Commons und damit für Jeden potentiellen Nutzer frei zugänglich. Und international ist nicht einmal ansatzweise eine Löschung durchsetzbar, weil abgesehen vom DACH-Raum solche Abmahnpraxen so gut wie nicht vorkommen. Da das eben alles nicht so einfach ist, Herr Steiger, sollten sie etwas zurückhaltender mit derartigen Aussagen sein.

        Hinzu kommt, dass es nicht so ist, dass Herr Sojka – so kritisch man die Abmahnpraxis sehen kann, ich finde es widerlich und habe noch nie für eines meiner mehr als 20.000 auf Commons veröffentlichten Bilder eine Abmahnung verschickt (und werde das eher auch nie tun) – durchaus auch an enzyklopädischer Mitarbeit interessiert ist. Es gibt eben nicht immer nur Schwarz und Weiss, sondern vielfach auch Grau und nicht selten Farbe.

        1. @Marcus Cyron:

          Ich bitte um Verständnis, dass ich die Diskussion nicht für die allgemeine Wikipedia-Thematik öffnen möchte. Im Zweifelsfall übernimmt das Anwaltskollege Markus Kompa … 🤔

          1. Marcus Cyron sagt:

            Sie haben doch die Aussage getroffen – und nun wollen sie nicht, daß man das korrigiert, was falsch ist? Im übrigen werde ich ganz sicher nicht mit Herrn Kompa kommunizieren.

  3. hschmidt sagt:

    stellt sich nur noch die Frage, warum Nutzer dieser Bilder diese eigentlich unbedingt verwenden wollen, wenn sie doch nichts taugen und nix wert sind und sie quasi jeder dahergelaufene Knipser machen könnte. Offensichtlich stellen die Bilder ja wohl für die Nutzer einen gewissen Wert dar.

    1. Daarin sagt:

      Den Wert hat auch niemand bestritten, es ist aber eben kein künstlerischer. Und nur dieser wird vom Urheberrecht geschützt.

      1. Marcus Cyron sagt:

        Doch. Der Wert wurde bestritten. Das Gericht sagt, es ist kein Schaden entstanden. Denn das ist die Aussage des Ergebnisses. Alles, was unter Freier Lizenz veröffentlicht wird, kann einfach so, ohne Einhaltung der Lizenz verwendet werden. Denn wie sollte man das denn sonst verhindern, wenn nicht über Geld? Unterlassungsaufforderung? Die noch der der zahlen muss, der schon das Bild oder den Text zur Verfügung gestellt hat? Super. Das Gericht hat den Wert der Arbeit auf Null und Nichts erkannt, weil damit nichts verdient werden soll. Was bedeutet – nach diesem Urteil kann man es nicht anders verstehen – dass sich das Jeder nehmen kann wie er will, denn es gibt ja nichts mehr zu befürchten. Das wird bedeuten, dass sich in Zukunft Viele wohl dreimal überlegen, ob sie noch etwas unter freier Lizenz veröffentlichen. Ich will als Dank eigentlich nichts, ausser dass man sagt wo es her kommt, vielleicht noch meinen Namen nennt. Aber wenn es keine Gefahr mehr gibt, dass bei Nichtbeachtung etwas passiert, wird das Niemand mehr tun. Diese Urteil ist nur auf den ersten Blick ein Urteil für die Freiheit. Statt überharte Forderungen abzuschmettern zerstört es im zweiten Urteilsteil die Freien Lizenzen.

        1. @Markus Cyron:

          «Alles, was unter Freier Lizenz veröffentlicht wird, kann einfach so, ohne Einhaltung der Lizenz verwendet werden»

          Dsa ist nicht richtig. Aber man kann – selbstverständlich – nur lizenzieren, was immaterialgüterrechtlich geschützt ist. Die erfolgreiche Welt der freien Software zeigt übrigens, dass rechtliche Verfahren erst einmal der falsche Weg sind um diese Art von Freiheit zu ermöglichen:

          https://www.fsf.org/licensing/.....principles

          «Das Gericht hat den Wert der Arbeit auf Null und Nichts erkannt, weil damit nichts verdient werden soll. »

          Im Urheberrecht geht es nicht um Arbeit. (Dafür erhalten jene, die für ihre Arbeit bezahlt werden, zum Beispiel ein Schreiner, der einen Tisch anfertigt, auch nicht jedes Mal eine Entschädigung, wenn sich jemand an ihren Tisch setzt …)

          1. Marcus Cyron sagt:

            Sie können da jetzt mit rechtlichen Details kommen – das alles ändert nichts an der Grundaussage des Urteils. Und das ausdrücklich von mir, der sich eigentlich nur freut, wenn etwas von ihm nach genutzt wird, der nie im Traum auf die Idee käme Jemanden abzumahnen. Dennoch bin ich nicht blind und kann deutlich erkennen, daß dieser Richter mit seinem Urteil unsere Arbeit als Wertlos erklärt, weil sie nicht punicär aufzuwiegen ist.

  4. Herr.Sowieso sagt:

    Die Art und Weise mehrere Bilder zu einem Panorama zusammen zu fügen nennt man Stitching, nicht Stichting. 🙂

    1. Die Beklagten und / oder das Gericht waren anderer Meinung … 🤫

      (Sie sind übrigens nicht der Einzige, der darauf hinweist: https://twitter.com/Valio_ch/s.....5673696256.)

      In der Sache haben Sie selbstverständlich Recht:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Stitching

  5. MBq sagt:

    In Deutschland sind auch einfache Fotos, die keine Schöpfungshöhe aufweisen, urheberrechtlich 50 Jahre lang geschützt: nach §72 UrhG. Das ist in der Schweiz offenbar anders. – Woher der deutsche Sonderweg stammt, der uns Wikipedianer erheblich behindert, weiss ich leider nicht. Wahrscheinlich wurde das vom kaiserlichen Kunsturheberrechtsgesetz (1907) übernommen.

  6. Andreas F. Borchert sagt:

    Ich bin kein Freund dieser Abmahnungen, aber zwei Punkte würde ich gerne kommentieren:

    Erstens bin ich überrascht, mit welcher Leichtigkeit das Appellationsgericht dem Foto den individuellen Charakter abspricht. Gerade solange die Schweiz noch kein alternatives Leistungsschutzrecht besitzt, sollte die Schwelle hier so niedrig liegen, dass Fotografen nicht kalt enteignet werden. Im Ergebnis ist das außerordentlich bedenklich.

    Auf Wikimedia Commons, wo das Foto veröffentlicht worden ist, ermutigen wir die Fotografen, auf die Benutzung von Wasserzeichen zu verzichten und stattdessen auf den Rechtsschutz der freien Lizenzen zu vertrauen. Viele der Fotografen freuen sich, wenn ihre Bilder anderswo genutzt werden – aber es wird dann eben von vielen zumindest erwartet, dass per Namensnennung eine Anerkennung erfolgt.

    Und das führt mich zu meinem zweiten Punkt: Ich hätte gerne gewusst, in welcher Form das Bild von der beklagten Seite veröffentlicht worden ist. Es bleibt somit die Frage, ob überhaupt eine Namensnennung erfolgte. Ein Bilderklau ohne Namensnennung halte ich immer für ethisch fragwürdig, unabhängig von der jeweiligen Rechtslage.

    1. @Andreas F. Borchert:

      «Ich hätte gerne gewusst, in welcher Form das Bild von der beklagten Seite veröffentlicht worden ist. Es bleibt somit die Frage, ob überhaupt eine Namensnennung erfolgte.»

      Gemäss der Urteilsbegründung (im Beitrag oben verlinkt) behauptete der Kläger, es sei keine Namensnennung erfolgt.

  7. Klaus Bailly sagt:

    In den Kommentaren werden – wie häufig – zwei Dinge miteinander vermischt: die berechtigte Forderung nach Einhaltung freier Lizenzen (hier also: Nennung von Herkunft und Urheber bei Weiternutzung) und die Rechtfertigung von Abmahnfallen. Der entscheidende Punkt ist für mich: Hat Sojka zuerst auf gütlichem Wege versucht, die Einhaltung der Lizenzbestimmungen zu erreichen, oder hat er sofort Abmahnungen über mehrere hundert Franken verschickt? Ich vermute Letzteres. Und das ist, wie Marcus Cyron richtig schrieb, einfach nur widerlich und auch nicht mit „Interesse an enzyklopädischer Mitarbeit“ zu entschuldigen. Im Übrigen ist Herr Sojka meines Wissens in der deutschsprachigen Wikipedia schon seit einer Reihe von Jahren infinit gesperrt.

  8. Auf der Webseite der Stiftung Albert Ankerhaus Ins wurde ein Foto aus Wikipedia als Link auf die Webseite des Kunstmuseums Basel verwendet. Nun hat das Anwaltsbüro Frau Dr. de Roche aus Basel uns auch eine Abmahnung über Fr. 573.10 geschickt im Auftrag von Wladyslaw Soika. Das Bild ist übrigens von noch schlechterer Qualität und könnte von jederman problemlos mit dem Handy geschossen werden. Wir werden die Zahlung verweigern mit Hinweis auf Ihre hilfreichen Erläuterungen und notfalls auch einen Prozess anstreben. Ev. Melani und dem Kassensturz melden?

    1. Emil Super sagt:

      Sehr geehrter Herr Brefin, machen Sie sich keine Gedanken. Foto löschen und Briefe von Mme De Roche in die Vertikalablage. In Deutschland gibt es ettliche Fotografen, die sich dieser Masche bedienen, um durch Einschüchterung an leichtes Geld zu kommen: werden bei Wikipedia in den Diskussionen genannt, als da sind: Marco Almbauer, Martina Nolte, Ralf Roletschek, Alexander Savin, Wladyslaw Sojka, Sven Teschke, Dirk Vorderstraße, Thomas Wolf – nur um einige zu nennen. Fehlt noch der Oberabzocker Marco Verch und der wohl selbst beteiligte RA Lutz Schroeder (siehe dazu https://netzpolitik.org/2016/d.....s-bildern/ ). Martina de Roche ist halt rührig, um die Miete an ihrer neuen Nobeladresse bezahlen zu können.

    2. Emil Super sagt:

      und lesen Sie bitte auch das finanzielle Fiasko am Schluss für die eingeforderten CHF 574.00 . Ich denke nicht, dass der Fotograf nochmals in der Schweiz klagt:

      Es ist darauf hinzuweisen, dass die von der Vertreterin des Klägers eingereichte Honorarnote vom 2. Mai 2016, mit der ein Honorar von CHF 4‘672.10 geltend gemacht wird, in unzutreffender Weise von einer Berechnung nach Aufwand ausgeht.
      Bei einem Streitwert von CHF 574.− und unter Berücksichtigung des doppelten Schriftenwechsels sowie des Umstands, dass die Gebühr nach Streitwert dem Aufwand des Gerichts in keiner Weise angemessen ist, werden die Gerichtskosten mit CHF 600.− festgelegt
      Überdies wird der Kläger verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung zu bezahlen. Die Parteientschädigung, die er der Beklagten schuldet, wird streitwertabhängig und mit Blick auf den doppelten Schriftenwechsel sowie den Aufwand mit CHF 800.−, inklusive Auslagen von CHF 110.−, zuzüglich CHF 64.− MWST festgelegt

      Quelle:
      https://www.rechtsprechung.ger.....ument.html

      1. @Emil Super:

        Die Parteientschädigung zeigt das Problem für die Beklagten in solchen Angelegenheiten: Finanziell gesehen wären sie allenfalls besser gefahren, wenn sie die Forderung gemäss Abmahnung bezahlt hätten. Der finanzielle Aufwand der Beklagten im vorliegenden Fall war ohne Zweifel höher als 800 Franken netto / 864 Franken brutto.

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