Bye-bye, Voiceprint: Swisscom verzichtet auf umstrittenen Stimmabdruck

4 Kommentare

  1. Vielen Dank lieber Martin für die vertiefte Beleuchtung juristischer Aspekte des Voice Profiling. Wichtig scheint mir auch, dass es eben nicht darum geht, die Technologie per se zu verteufeln, sondern wie du sagst Transparenz und Vertrauen in die in jeder Hinsicht korrekte Anwendung derselben zu schaffen. Also nicht nur technologische und juristische Aspekte, sondern eben auch „weiche“ Kundenbedürfnisse zu berücksichtigen.

    Das Beispiel zeigt auch sehr schön den Unterschied zwischen dem rechtlich Erlaubten und dem aus ethisch-gesellschaftlicher Perspektive Erwünschten. Dieser Diskurs ist enorm wichtig für die weitere Entwicklung im gesamten Bereich der Digitalisierung und sollte im Interesse aller verstärkt gefördert werden.

    Kennst du (oder sonst jemand der mitliest) noch weitere Schweizer Firmen, die Stimmdaten sammeln?

    1. Alois Kummer sagt:

      @Chris Bühler: „Kennst du (oder sonst jemand der mitliest) noch weitere Schweizer Firmen, die Stimmdaten sammeln?“: Wir wissen es nicht, Hr. Bühler, können aber davon ausgehen, dass dies der Fall ist. Es wird jedoch wohl kaum eine Firma freiwillig zugeben, dass sie Voiceprint einsetzt. Ein Callcenter im Ausland, welcher für ein Schweizer Unternehmen arbeitet, schon gar nicht.

  2. Exzellent e Beobachtungen – die blosse Stimmerkennung ist ja nur der Anfang – mit der Stimmanalyse geht es weiter und dann feiert der gute alte Lügendetektor wieder Urstände – es könnten dann solche Programme bei Zeugenaussagen im Zivil- oder Strafprozess eingesetzt werden – oder bei Inkassoabteilungen von Unternehmen – oder wenn ich in Telephonkonferenzen die jeweiligen Gesprächspartner in entscheidenden Momenten analysieren lasse –

  3. Alois Kummer sagt:

    Der Artikel zum Voiceprint der Swisscom gefällt mir. Nachdem man nun wohl von ca. 80 – 90 % aller Swisscom-Kunden über Voiceprints verfügt, kann man damit getrost aufhören. Die Daten hat man ja.

    Die Sache mit den Transparency-Reports ist eine ganz spezielle Angelegenheit. Während diese im amerikanischen Raum, wg. der rechtlichen Lage, eine komplett andere Bedeutung haben (und standardisiert sind), trifft dies auf Schweizer „Transparency“-Reports wohl kaum zu. So sind z.B. die informellen Anfragen, welche m.E. den Löwenanteil ausmachen, nicht berücksichtigt. Auch braucht es in der Schweiz, im Gegensatz zu den U.S.A., keine Verfügung der Staatsanwaltschaft um Daten zu verlangen.

    Auch frage ich mich, wie unbefangen Schweizer ESPs sind. Protonmail, z.B. hat soeben mitgeteilt, von der EU euro 2 Mio. erhalten zu haben (https://protonmail.com/blog/eu-funding/).

    Ein „Klassiker“ für das eigenmächtige und halbinformelle Herumwursteln der Schweizer Behörden zeigt der Versuch der Kapo Zürich, in den U.S.A. eine Website zu löschen (http://archive.is/WnB1A).

    Während Metadata bei ESPs sehr relevant sind, trifft dies bei Cloud-Providern weniger zu. Hier können die Daten zudem verschlüsselt hochgeladen (nicht synchronisiert) werden. Kommt hinzu, dass den Behörden andere Mittel zur Beweiserhebung in der Cloud zur Verfügung stehen (Burgermeister, 2015).

    Zu guter Letzt sei zu den Transparency-Reports soviel gesagt: Prozentual haben Schweizer ESPs und ISPs mehr Anfragen der Behörden als Festlandchina. Und hier sprechen wir lediglich vom formellen Teil…

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