Meta verzichtet auf KI-Training vorläufig auch bei Nutzern in der Schweiz

Meta verzichtet vorläufig auf das Training seiner KI-Modelle auch bei Daten von Nutzern in der Schweiz. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) teilte mit, von Meta eine entsprechende Bestätigung erhalten zu haben.

Nutzerinnen von Facebook und Instagram in Europa – auch in der Schweiz – waren von Meta informiert worden, dass ihre «Informationen» ab dem 26. Juni 2024 verwendet würden, «um KI bei Meta weiterzuentwickeln und zu verbessern». Die «Informationen» würden, so Meta, insbesondere Beiträge und Bilder von Nutzern umfassen.

Nach einer Beschwerde von NOYB, der Organisation des Datenschutz-Aktivisten Max Schrems, hatte die Data Protection Commission (DPC), die Datenschutz-Aufsichtsbehörde in Irland, Meta aufgefordert, auf das KI-Training zu verzichten. In der Folge erklärte Meta nach einem «intensive engagement between the DPC and Meta», auf das KI-Training bei Nutzerinnen im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erst einmal zu verzichten.

Der EDÖB schreibt in seiner Kurzmeldung vom heutigen 21. Juni 2024 unter anderem:

«Meta: Vorläufig keine Änderung der Nutzungsbedingungen für die Schweiz

Meta wird auch die Daten von Facebook und Instagram Nutzerinnen und Nutzern in der Schweiz nicht dazu verwenden, seine KI zu trainieren. […]

Der US-Konzern bestätigt dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten ausdrücklich, dass die Daten von Nutzerinnen und Nutzern in der Schweiz nicht dazu genutzt werden, KI zu trainieren. Der EDÖB hatte Meta am 17.6.24 schriftlich dazu aufgefordert. […]»

Ich gehe davon aus, dass Meta die Nutzer in der Schweiz ohnehin gleich wie die Nutzer im EWR behandelt hätte. Die Bestätigung an den EDÖB ist dennoch eine hilfreiche Information für schweizerische Nutzerinnen von Facebook und Instagram. Threads wird nicht ausdrücklich erwähnt, müsste aber ebenfalls betroffen sein.

Meta nennt das Vorhaben «KI bei Meta» und berief sich – auch gegenüber Nutzern in der Schweiz – auf ein (überwiegendes) berechtigtes Interesse. Gleichzeitig informierte Meta über die Möglichkeit, Widerspruch zu erheben.

Beim Widerspruchsformular informiert Meta richtigerweise, dass kein absolutes Recht auf Widerspruch besteht. Weiter erklärt Meta, dass die eigenen Daten trotz erfolgreichem Widerspruch für das KI-Training verwendet werden können, wenn diese Daten von Dritten stammen. Für diesen Fall stellt Meta ein weiteres Formular zur Verfügung.

Ich empfehle, unabhängig von der EDÖB-Mitteilung, Widerspruch zu erheben. Einerseits verzichtet Meta nur vorläufig auf das KI-Training, andererseits ist der EDÖB gegenüber den verantwortlichen Meta-Gesellschaften im Ausland machtlos.

Widerspruch gegen KI-Training mit Nutzerdaten: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Für den Widerspruch muss man Schritt für Schritt wie folgt vorgehen:

  1. Bei Facebook oder Instagram anmelden, Widerspruchsformular bei Facebook oder Widerspruchsformular bei Instagram aufrufen, die Schweiz als Land auswählen und eine E-Mail-Adresse einfügen. Bei Threads scheint Meta das Widerspruchsformular nicht veröffentlicht zu haben.
  2. Formularfeld «Bitte erkläre, wie sich diese Verarbeitung auf dich auswirkt.» ausfüllen. Ich habe ChatGPT um Unterstützung gebeten und folgende Antwort erhalten, die in den meisten Fällen gut genug sein sollte:

    Die Nutzung meiner Daten für das Training von Künstlicher Intelligenz beeinträchtigt meinen Datenschutz und Persönlichkeitsschutz erheblich. Es besteht ein erhöhtes Risiko, dass sensible Informationen unbefugt verwendet oder offengelegt werden. Zudem widerspricht dies meinen europäischen Grundrechten auf Privatsphäre und den Schutz personenbezogener Daten. Die unkontrollierte Verarbeitung könnte zu Profiling und ungewollter Überwachung führen, was meine Autonomie und Meinungsfreiheit gefährdet.
  3. Auf «Senden» klicken.
  4. Den per E-Mail erhaltenen Bestätigungscode eingeben, um die verwendete E-Mail-Adresse zu bestätigen.

Nach der erfolgreichen Bestätigung der E-Mail-Adresse erhält man «Danke für deine Nachricht an Meta. Wir werden deine Anfrage so bald wie möglich prüfen.» als Bestätigung.

Normalerweise erhält man nach einigen Minuten später per E-Mail die Bestätigung, dass der Widerspruch akzeptiert wurde:

«Wir haben deinen Antrag geprüft und erkennen deinen Einspruch an. Das bedeutet, dein Antrag wird künftig berücksichtigt.

Im Privacy Center findest du weitere Informationen über generative KI und unsere Datenschutzbemühungen in diesem neuen Gebiet.

facebook.com/privacy/genai»

Klar ist, dass ein solcher Widerspruch nur in Grenzen funktionieren kann.

Der Widerspruch funktioniert auch im besten Fall nur für «Informationen» aus Nutzerdaten, die Meta einer widersprechenden Person tatsächlich zuordnet und in der Folge nicht für das KI-Training verwendet. Meta wird in dieser Hinsicht nur soviel Aufwand betreiben, wie sich nicht vermeiden lässt.

Ebenfalls möglich: Widerspruch gegen KI-Training mit Daten von Dritten

Anschliessend könnte das Widerspruchsformular in Bezug auf das KI-Training mit Daten, die von Dritten stammen, ausgefüllt werden.

Meta schreibt in diesem Zusammenhang unter anderem:

«Mithilfe dieses Formulars kannst du Anfragen bezüglich deiner personenbezogenen Informationen von Dritten einreichen, mit denen die KI bei Meta trainiert wird. KI bei Meta umfasst die Gesamtheit unserer generativen KI-Features und -Erlebnisse, u. a. Meta AI und die KI-gestützten Creative Tools sowie die Modelle, auf denen diese Funktionen basieren.»

Für dieses Formular ist keine Anmeldung bei Facebook oder Instagram erforderlich. Das Formular richtet sich an alle Personen und nicht allein an Nutzerinnen von Facebook, Instagram und Threads.

Das Formular funktioniert allerdings, wenn überhaupt, nur für den Fall, dass man ein KI-Angebot von Meta genutzt hat und dabei Daten über die eigene Person als Ergebnis erhielt.

Meta verlangt für den Widerspruch, dass 1) die verwendeten Prompts eingegeben werden und 2) der Beweis geführt wird, dass tatsächlich die eigenen Personendaten betroffen sind:

«Damit wir deine Anfrage bearbeiten können, benötigen wir Informationen dazu, ob die Modelle von KI bei Meta von dir Kenntnis haben. Bitte stelle uns sämtliche von dir eingegebenen Prompts zur Verfügung, die dazu geführt haben, dass deine personenbezogenen Informationen in einer Antwort eines Modells, Features oder Nutzungserlebnisses von KI bei Meta angezeigt wurden. Wir benötigen außerdem einen Nachweis dieser Antwort, der deine personenbezogenen Informationen zeigt.»

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