
Die App für den Behörden-Login AGOV in der Schweiz unterstützt kein GrapheneOS, eine sichere Android-Alternative für Smartphones.
GrapheneOS ist für Nutzerinnen und Nutzer von Android-Smartphones eine empfehlenswerte Betriebssystem-Alternative.
Viele Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, die kein iPhone einsetzen, verwenden GrapheneOS, um ihre beruflichen und privaten Daten möglichst gut zu schützen.
Im Gegensatz zu Android ist GrapheneOS auf Datenschutz und Sicherheit ausgerichtet. Ausserdem nutzt GrapheneOS standardmässig keine Apps und Dienste von Google.
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte müssen gleichzeitig in der Lage sein, die Plattform justitia.swiss für den digitalen bzw. elektronischen Rechtsverkehr zu nutzen. Für den Login bei der Plattform ist die AGOV-App erforderlich, die aber kein GrapheneOS unterstützt.
Wieso unterstützt die AGOV-App kein GrapheneOS?

Die Digitale Verwaltung Schweiz (DVS) erklärt die fehlende Unterstützung für GrapheneOS wie folgt:
«Die AGOV access App funktioniert nicht auf GrapheneOS, weil das Hardening-Framework, welches die AGOV access App vor unzulässigen Manipulationen schützt, nicht mit GrapheneOS kompatibel ist. Die Bundeskanzlei hat den Lieferanten beauftragt, die Kompatibilität herzustellen.»
Die AGOV-App ist abhängig von Google, insbesondere von den Google Mobile Services (GMS):
«Technisch betrachtet unterscheidet sich GrapheneOS in sicherheitsrelevanten Architekturdetails signifikant von Google-zertifizierten Standard-Distributionen, insbesondere bei der Bereitstellung von Systemdiensten und der Implementierung von Schnittstellen, auf welche die Runtime Application Self-Protection der App zwingend angewiesen ist (es fehlen die Google Mobile Services – GMS).
So verwendet die AGOV access App Firebase Cloud Messaging (FCM) für das Versenden von verschlüsselten Push-Notifications und Google Play Integrity API zum Ausstellen von Attestationen.»
Die AGOV-App soll in Zukunft unabhängig von Google funktionieren, doch wird kein Zeithorizont genannt:
«Der Lieferant arbeitet an einer Version der App, ohne Abhängigkeit zu den Services von Google unter Sicherstellung derselben Funktionalität, ohne Kompromittierung der Sicherheitsanforderungen von AGOV. Bis zur Umsetzung dieser Anpassungen bleibt die App auf diesem Betriebssystem jedoch vollständig blockiert.»
Wieso können viele Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte nicht auf die Unterstützung von GrapheneOS warten?

Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, die ausschliesslich GrapheneOS verwenden, läuft – mindestens im Kanton Zürich – die Zeit davon.
Im Kanton Zürich müssen sich Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte bis spätestens am 1. September 2026 bei der «produktiven» Plattform justitia.swiss registrieren.
Ab dem 1. Januar 2026 ist für kantonale «strittige Verfahren im Geltungsbereich des VRG» die Nutzung der Plattform justitia.swiss vorgeschrieben.
Das verlangt die Aufsichtskommission über die Anwältinnen und Anwälte mit Beschluss KI260127 vom 7. Mai 2026.
Für die Registrierung bei der Plattform justitia.swiss ist die AGOV-App unter Android oder iOS erforderlich.
Empfehlung: Günstiges Zweit-Smartphone statt Verzicht auf GrapheneOS

Es ist allerdings nicht sinnvoll, aufgrund der Google-Abhängigkeit des Behörden-Logins AGOV auf GrapheneOS zu verzichten, wenn man sich in der Android-Welt bewegt.
Eine naheliegende Lösung für Nutzerinnen und Nutzer von GrapheneOS ist ein günstiges Zweit-Smartphone mit dem regulären Android-Betriebssystem, um dort die AGOV-App verwenden zu können.
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