
Der Übersetzungsdienst DeepL mit Sitz in Deutschland kann ab dem 20. Mai 2026 die digitale Infrastruktur von Amazon Web Services (AWS) aus den USA nutzen.
DeepL, bislang ein bekanntes, wenn auch teures Beispiel für digitale europäische Souveränität, informiert die Kundinnen und Kunden insbesondere wie folgt:
«Am 20. Mai 2026 werden wir die Nutzungsbedingungen aktualisieren, um unter anderem die Tatsache widerzuspiegeln, dass DeepL Daten nicht mehr ausschließlich auf eigenen Servern verarbeitet. Amazon Web Services (AWS) wird der Liste der Datenverarbeiter von DeepL hinzugefügt. Die Hinzufügung von AWS verbessert die Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und technische Infrastruktur unserer Dienste und ermöglicht es uns, Daten in internationalem Maßstab zu verarbeiten.»
Im bestehenden Auftragsverarbeitungsvertrag und in der bestehenden Vertraulichkeitsvereinbarung von DeepL sind der Einsatz von Unterauftragsverarbeiterinnen und die Weitergabe vertraulicher Informationen an Unterauftragnehmer ausdrücklich vorgesehen.
Wer mit der Nutzung von AWS durch DeepL nicht einverstanden ist, muss widersprechen:
«Du musst die neuen Nutzungsbedingungen akzeptieren, um DeepL weiterhin nutzen zu können. Du hast natürlich das Recht, Einspruch zu erheben. Dazu musst du dich bis spätestens 19. Mai 2026 an support@deepl.com wenden. Wenn wir bis dahin nichts von dir hören, gehen wir davon aus, dass du die neuen Nutzungsbedingungen akzeptierst […].»
Der Widerspruch entspricht einer Kündigung auf Ende der Dauer des laufenden Abonnements oder spätestens am 31. Dezember 2026:
«Wenn du diese Änderungen ablehnst, kannst du dein Abonnement bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums nutzen. Wenn dein Abrechnungszeitraum beispielsweise zwei Wochen nach dem 19. Mai 2026 endet, kannst du dein Abonnement für diese zwei Wochen weiterhin nutzen. Wenn dein Jahresabonnement nach dem 31. Dezember 2026 endet, kündigen wir es spätestens am 31. Dezember 2026. Wir werden dich benachrichtigen, wenn wir uns entscheiden, es früher zu kündigen.»
Ob DeepL bei Kundinnen und Kunden, die widersprechen und damit kündigen, schon vor Ende 2026 die digitale Infrastruktur von AWS nutzt, ist unklar.
DeepL kostet vier Mal so viel wie noch vor einem Jahr für Unternehmen
Siehe auch:
- Übersetzt DeepL unvollständig in der kostenlosen Version?
- DAT367 ChatGPT, DeepL und sonstige Künstliche Intelligenz («Datenschutz-Plaudereien»)
- KMU: Keine Compliance-Funktionen bei Online-Diensten
- DAT062 Keine Compliance für kleine Unternehmen («Datenschutz-Plaudereien»)