Chinesische Betrüger versuchen seit Jahren, unnötige und überteuerte Domainnamen an Unternehmen zu verkaufen. Ich veröffentlichte bereits im Jahr 2014 eine erste öffentliche Warnung vor dieser Betrugsmasche.
Die Betrugsmasche scheint immer noch zu funktionieren, denn einmal mehr versuchten die dreisten Betrüger ihr Glück ausgerechnet bei unserer Anwaltskanzlei.
Beispiel: Wie sehen die betrügerischen E‑Mails aus?
Wir erhielten von «Albert Liu» mit der E‑Mail-Adresse albert.liu@nameregistry.net die folgende E‑Mail mit dem bereits gewohnten Inhalt:
«(This message is very urgent, so we kindly ask you to pass it to your CEO. In case you believe this was forwarded to you wrongly, please simply ignore it. Thanks.)
Dear CEO,
This email is from China domain name registration center in Shanghai, China. Jiazhi Ltd submitted an application on October 5, 2026. They desire to register ‹steigerlegal› as their internet keyword and Chinese domains (steigerlegal.cn, steigerlegal.com.cn, steigerlegal.net.cn, steigerlegal.org.cn). But after we check it, we find this name conflicts with your company name or trademark. In order to handle this matter better, it’s necessary to send a message to you and verify whether this firm is your distributor or business partner in China?
Best regards
Albert Liu
General Manager
Name RegistrarTel: +86-2161918696 | Fax: +86-2161918697 | Mob: +86-13816428671
12F Kaike Building, No. 1801 Hongmei Road, Shanghai 200233, China»
Übersetzung auf Deutsch:
«(Diese Nachricht ist sehr dringend, weshalb wir Sie höflich bitten, sie an Ihren CEO weiterzuleiten. Falls Sie der Meinung sind, dass diese Nachricht irrtümlich an Sie weitergeleitet wurde, ignorieren Sie sie bitte einfach. Vielen Dank.)
Sehr geehrter CEO
Diese E-Mail stammt vom chinesischen Domainnamen-Registrierungszentrum in Shanghai, China. Jiazhi Ltd hat am 5. Oktober 2026 einen Antrag eingereicht. Das Unternehmen möchte ‹steigerlegal› als Internet-Schlüsselwort und die chinesischen Domains (steigerlegal.cn, steigerlegal.com.cn, steigerlegal.net.cn, steigerlegal.org.cn) registrieren lassen. Bei unserer Überprüfung haben wir jedoch festgestellt, dass dieser Name mit Ihrem Firmennamen oder Ihrer Marke kollidiert. Um diese Angelegenheit besser bearbeiten zu können, ist es notwendig, Ihnen eine Nachricht zu senden und zu überprüfen, ob dieses Unternehmen Ihr Vertriebspartner oder Geschäftspartner in China ist?
Freundliche Grüsse
Albert Liu
Geschäftsführer
Name Registrar»
Einmal mehr fällt auf, dass die Täterschaft ihre E‑Mails auf Englisch und dabei an den Grenzen der Verständlichkeit verschickt. Wieso keine KI-basierte Korrektur und Übersetzung verwendet wird, ist nicht klar.
Empfehlung: So verhält man sich richtig bei diesen E‑Mails
Meine Empfehlung ist, solche E‑Mails zu ignorieren. Man sollte sich insbesondere nicht auf E‑Mail-Korrespondenz mit der Täterschaft einlassen.
Man kann solche E‑Mails löschen. Sofern solche E‑Mails nicht von Anfang an als Spam gefiltert wurden, kann man auch seinen Spamfilter entsprechend trainieren.
Für die Registrierung von Domainnamen in China gibt es seriöse Registrare. Bei Hostpoint in der Schweiz beispielsweise kostet ein .cn-Domainname 28 Franken pro Jahr.
Warnungen: Was sagen Behörden zu solchen E‑Mails?

In der Schweiz warnt inzwischen auch das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) vor dieser Betrugsmasche – auch im Zusammenhang mit anderen Top-Level-Domains (TLDs) als der chinesischen .cn-TLD.
Das BACS schreibt unter anderem:
«Eine angebliche Domänenregistrierungsstelle schreibt eine Nachricht an den Besitzer einer bestimmten Domäne. Die Stelle behauptet, einen Antrag erhalten zu haben, denselben Namen z. B. unter .com, .cn oder einer beliebigen anderen Endung zu registrieren. Die Betrüger bieten an, diese Domäne zu massiv überhöhten Preisen zu registrieren. Es ist zweifelhaft, ob die Domäne nach der Zahlung tatsächlich registriert wird. Ignorieren Sie solche Anfragen und löschen Sie die Nachricht.»
Betroffene Unternehmen können Meldung beim BACS erstatten.
Schon vor einiger Zeit beschrieb das BACS die Betrugsmasche unter anderem wie folgt:
«Der sogenannte Domainregistrierungsbetrug existiert seit vielen Jahren und richtet sich in erster Linie gegen Unternehmen und Vereine. Ein vermeintlicher Registrar behauptet in einer E-Mail, dass ein Konkurrenzunternehmen Interesse am gleichen Domainnamen, jedoch mit einer anderen Endung, angemeldet habe. Sollte die Firma nicht reagieren, werde die Domäne anderweitig vergeben und sei für immer verloren. In den Schreiben bedienen sich die Betrüger der üblichen psychologischen Tricks. Es wird Zeitdruck aufgebaut und mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Firma oder den Verein gedroht, falls das Unternehmen den Forderungen nicht nachkommt und die entsprechenden Domains nicht registriert. Viele dieser Anfragen kommen aus dem asiatischen Raum, so dass in vielen Fällen neben den bekannten Endungen ‹.com› oder ‹.org› auch ein vermeintliches Interesse an den in der Schweiz nicht gebräuchlichen Endungen ‹.cn› oder ‹.com.cn› vorgetäuscht wird.»
Und auch:
«Dabei geht es den Betreibern keineswegs um die Interessen der Firma oder des Vereins, sondern einzig und allein darum, Geld für eine vermeintliche Registrierung zu machen. Die Preise sind in diesen Fällen massiv überhöht und es ist fraglich, ob die Domains nach Zahlung tatsächlich registriert werden. Für ein Unternehmen ist es unmöglich, einen Domainnamen mit allen verfügbaren Endungen zu registrieren, gibt es doch derzeit allein 255 länderspezifische Top-Level-Domains. Insgesamt sind es rund 1500 Top Level Domains.»
Ebenfalls eine Warnung veröffentlicht hat die Kantonspolizei Zürich:
«Inhaber von Webseiten mit der Schweizer Endung .ch werden systematisch von Betrügern per Mail kontaktiert. Die Betrüger geben vor, eine Registrierungsstelle zu sein. Das stimmt nicht. In Tat und Wahrheit wollen sie eine unnütze Gebühr kassieren.»
Siehe auch:
- Dreiste chinesische Domainnamen-Betrüger versuchen ihr Glück bei unserer Anwaltskanzlei (2024)
- Domainnamen-Schwindel: So plump agieren die chinesischen Betrüger (2022)
- Warnung: Chinesischer Schwindel mit Domainnamen (2019)
- Warnung: Chinesischer Schwindel mit Domainnamen (2014)
Nachtrag: Beispiel einer weiteren E‑Mail der Domainnamen-Betrüger
Die Digitale Gesellschaft in der Schweiz erhielt eine ähnliche E‑Mail, aber von «Simon Liu» statt «Albert Liu» und mit etwas anderem Inhalt als im obigen Beispiel:
«(It’s very urgent, hence we kindly ask you to send this message to your CEO. If you consider this has been emailed to you wrongly, please disregard it. Thank you.)
Dear CEO, This message is from China domain name registration center, which mainly deal with the domain name registration in Shanghai, China. On September 29, 2026, we received a request from Jiazhi Ltd. They want to register ‹digitale-gesellschaft› as their internet keyword and Chinese domain names (digitale-gesellschaft.cn, digitale-gesellschaft.com.cn, digitale-gesellschaft.net.cn, digitale-gesellschaft.org.cn). But after we review it, we notice this name conflicts with your business name or brand name. In order to deal with this issue properly, it’s necessary to send this email to you and verify whether Jiazhi Ltd is your business partner in China?
Best regards
Simon Liu
General Manager
Domain RegistryTel: +86-2161918696 | Fax: +86-2161918697 | Mob: +86-13816428671
12F Kaike Building, No. 1801 Hongmei Road, Shanghai 200233, China»
Die verwendete E‑Mail-Adresse lautet simon@chinanames.net.
Beitragsbild: OpenAI / ChatGPT (KI-generiert).
